05.05.2020 | So lief der „erste Schultag“ in Ehingen

Schüler und Lehrer sind froh, dass es wieder losgeht – Manches ist noch ungewohnt

Ein ungewohntes Bild: Fünf Zehntklässler der Längenfeldschule und ihr Mathelehrer Ingo Peters (2. v. r.). mit Schutzmaske vor dem Schuleingang. (SZ-Foto: Prandl)

Die Ehinger Abschlussschüler hatten am Montag endlich wieder ihren ersten Schultag nach längerer Corona-Pause. Allerdings war vieles ungewohnt, weil es einige Schutzmaßnahmen an den Schulen gibt, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Allein, dass die meisten Schüler im Pausenhof und auf den Gängen wie empfohlen Schutzmasken trugen, ergab ein fremdes Bild. Doch die Schüler waren vor allem froh, endlich wieder zusammenzukommen.

„Einzeln eintreten!“ steht über dem Eingang der Längenfeldschule in großen Lettern auf rotem Hintergrund. Die Schüler auf dem Hof tragen Schutzmasken. „Ich freue mich, dass wieder Schule ist“, sagt Andrea Götz aus der zehnten Klasse. Zum einen gilt es nämlich, sich auf die Realschulprüfung vorzubereiten: Bereits in zwei Wochen sei die Deutschprüfung, in drei Wochen Mathe. Sie freue sich aber auch, weil es „eine Abwechslung ist“, weil man so wieder mehr rauskomme. Die vielen Hygienemaßnahmen, das Abstandsgebot, die Schutzmasken, das finde sie schon „ein bisschen ungewohnt“, sagt sie. Es sei eine Situation, die man in der Vergangenheit so niemals erwartet habe. Auch Mathelehrer Ingo Peters ist froh, dass er die Abschlussschüler wieder vor Ort begrüßen kann. „Jetzt können wir den Schülern wieder direkte Rückmeldung geben“, in den vergangenen Wochen habe man nur per E-Mail und Lernvideos Kontakt gehabt. Die Vorsichtsmaßnahmen hätten zudem auch etwas Positives, denn die Gruppen seien nun kleiner, erklärt er. „So kann ich noch besser auf die Fragen eingehen.“ DieSchüler jedenfalls fühlen sich sicher, oder zumindest „teilweise“, wie Zehntklässler Jakub Haberla sagt, denn auch die Masken seien natürlich kein hundertprozentiger Schutz, erklärt er. Die meisten der Schüler sind am Montag mit dem Auto oder zu Fuß gekommen. Auch solche, die sonst Bus fahren, haben darauf jetzt verzichtet, teilweise wegen des späteren Schulbeginns um 8.30 Uhr. Wie gewünscht, hätten die Schüler in der Pause Masken getragen, sagt Schulleiter Udo Simmendinger. „Und auch Desinfektionsmittel ist inzwischen da.“ Sein Fazit am Montag: „So wie es geplant war, hat es gut funktioniert.“

Auch Tobias Sahm, Schulleiter des Johann-Vanotti-Gymnasiums (JVG) erklärt: „Es lief gut.“ Der Tag sei entspannt gelaufen, bis auf wenige Ausnahmen waren alle Schüler der betroffenen Klassen wieder in der Schule. Besonders gefreut hat ihn die gute Stimmung auf dem Schulhof, die er von seinem Fenster aus beobachten konnte. Die Schüler waren überall verteilt, hielten die Abstandsregeln ein und unterhielten sich lachend. Vermutlich waren alle froh, ihre Freunde wieder sehen zu können. Natürlich helfe auch, dass es nun mit der Schule nach sieben Wochen wieder etwas Struktur im Alltag gebe. Die aktuellen Stundenpläne laufen erst einmal für die zwei Wochen bis zu den Prüfungen. Dann seien die Abiturienten nur noch für die Abschlusstests im Hause und es könne weiter geplant werden. „Heute hat es schon mal gut funktioniert, in zwei Wochen sehen wir weiter“, sagt Sahm. Dann können auch Lehren gezogen werden aus den Erfahrungen in den kommenden Tagen und vielleicht überlege man sich dann auch noch ein paar Änderungen für den weiteren Verlauf. Beispielsweise könne zeitversetzter gearbeitet werden, im Zweifelsfall. Im Kollegium habe heute eine respektvolle Anspannung geherrscht, berichtet Sahm weiter. Im Vorfeld haben sich die Lehrer umfangreich besprochen und vorbereitet, auch wie die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten seien. Vier der Lehrer, welche die aktuell zugelassenen Klassen betreuen, seien wegen ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe weiter im Homeoffice, alle anderen seien aber vor Ort und unterrichten, wie auch Sahm, die Klassen. Auch das habe gut geklappt, so Sahm, aber „man merkt schon, dass es anders ist als sonst“. Am deutlichsten ist das an dem Einbahnstraßensystem zu spüren, das im JVG eingeführt wurde. Die Wege laufen nun anders als gewohnt, auch für die Lehrer.

„Für uns war es ganz entspannt, ganz ruhig und wir waren sehr gut vorbereitet“, zieht Dagmar Fuhr, Rektorin der Michel-Buck-Schule, ein positives Résumé. Ihre Schüler hätten sich alle gut an die Vorgaben gehalten und lediglich ein einziges Kind fehlte. „Alle waren froh, uns wiederzusehen und wir natürlich auch“, berichtet die Rektorin von ihren Eindrücken. Sie erwartet, dass Schüler und Lehrer bis zu den Prüfungen eine gute Routine entwickeln werden. Deshalb werde in der ersten Woche auch mit besonders strengem Blick auf die Einhaltung der Maßnahmen geachtet, vom Abstand Halten bis zu den Toilettengängen – und natürlich dem Händewaschen. So sollen die Kinder die Regeln verinnerlichen. Und bisher funktioniere es auch richtig gut. „Wir sind optimistisch und schauen positiv gestimmt in die nächsten Tage“, so Fuhr.

„Es war toll. Alle Schüler waren da, die Lehrer waren da. Alle haben sich gefreut“, sagt Alexander Bochtler, Leiter der Ehinger Realschule nach dem ersten Schultag unter besonderen Vorzeichen. Die Infos zu den Schutzmaßnahmen hätten alle Eltern erreicht. Und so seien alle Schüler auf die neuen Regeln gut vorbereitet gewesen, hätten gewusst, welche Eingänge sie benutzen müssen, die meisten hätten im Hof und auf den Gängen Schutzmasken getragen, beim Händewaschen sei es zu keinen größeren Staus gekommen und auch die Kollegen hätten vor dem Kopierer ausreichend Abstand zueinander gehalten und das Gerät jeweils gereinigt. „Auch die Busse sind gekommen, wobei relativ wenige mit Bussen gefahren sind.“ Die Zehntklässler, die kurz vor der Realschulprüfung stehen, seien in dieser Situation sehr entspannt. Natürlich sei am Montag alles „etwas ungewohnt gewesen“, erklärt Bochtler, „sich nicht mit Handschlag begrüßen, nicht umarmen“, doch die Schüler seien froh gewesen, wieder da zu sein, habe er wahrgenommen. „Vor Schulbeginn wollten sich manche auf dem Schulgelände treffen.“ Man habe ihnen noch einmal erklärt, dass das nicht erlaubt ist.

Auf den Pulten in den Klassenräumen sei jeweils ein Spuckschutz aus Plexiglas angebracht worden. Selbst das Einsammeln von Aufgaben müsse in diesen Tagen von den Lehrern gut organisiert werden. Die Aufgaben vor Ort und beim Homeschooling seien auf die Kollegen ausgewogen verteilt worden. Für die jeweiligen Fächer gebe es im Hintergrund jeden Tag einen Lehrer, der zur Not einspringen könne. Neu dazu in der Realschule kam am Montag die Notbetreuung. „Wir haben aktuell zwei Schüler und auf Dauer gesehen werden es mehr werden“, glaubt Bochtler. Die Schüler in Notbetreuung hätten einen anderen Eingang als die Abschlussschüler und einen anderen Pausenhof, erklärt er.

Schwäbische Zeitung, 05.05.2020 (Grischa Beißner und Dominik Prandl)