09.06.2020 | Der neue Rektor hofft auf Regelbetrieb

Udo Simmendinger führt nun offiziell die Ehinger Längenfeldschule

Udo Simmendinger hält seine Ernennungsurkunde zum Rektor der Ehinger Längenfeldschule in den Händen. (SZ-Foto: götz)

Der 45-jährige Udo Simmendinger ist seit dem 1. Mai nun offiziell Rektor der Ehinger Längenfeldschule. Die Ernennungsurkunde hat er Mitte Mai per Post bekommen, eine Einsetzungsfeier wurde wegen Corona auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wohlfühlen

Es ist ruhig auf dem Schulhof der Ehinger Längenfeldschule. Doch genau dieser Schulhof war mit ein Grund, warum Udo Simmendinger offiziell Rektor der Schule ist. Denn als Simmendinger vor rund zwei Jahren das erste Mal das Gelände der Ehinger Längenfeldschule samt Mensabau vom Lehrerparkplatz aus sah und betrat, dachte er sich: „Toll, hier kann ich mich wohlfühlen.“

Geboren in Tübingen

Geboren in Tübingen, hat sich Udo Simmendinger in seiner Jugendzeit dem Leistungssport verschrieben. „Ich war deutscher Jugendmeister im Brustschwimmen im Jahr 1988 und war zwei Jahre lang auf dem Sportinternat in Heidelberg“, erzählt Simmendinger, der es sich auf einer Sitzbank im Schulhof gemütlich gemacht hat. Von der Realschule, wo Simmendinger die Mittlere Reife gemacht hat, wechselte er dann auf das Gymnasium in Hechingen, um dort im Jahr 1993 sein Abitur zu machen. „Mein Wunsch war es eigentlich, Diplomsport zu studieren. Als ich aber kurz vor dem Abi zur Berufsberatung gegangen bin, wurde mir gesagt, dass das brotlose Kunst sei“, erinnert sich Simmendinger, der dann seine beruflichen Weichen mit seinem Lehramtsstudium an der PH Weingarten gestellt hat. Da er in der Schule bereits Sport und Englisch als Leistungskurse hatte, waren diese beiden Fächer im Studium gesetzt. Hinzu kam dann noch Technik.

Wehrdienst in Kempten

Bevor es allerdings nach Weingarten zum Studium ging, absolvierte der Sportler Simmendinger seinen Grundwehrdienst bei den Gebirgssanitätern in Kempten. Dass es allgemein mit einer Karriere als Profisportler nicht geklappt hat, war für Simmendinger indes schnell klar. „Im Jahr 1990 habe ich die Teilnahme an der Jugend-Europameisterschaft um zwei Zehntel verpasst, dann kamen auch noch diverse Verletzungen hinzu“, sagt Simmendinger, der sich auch damals bewusst darüber war, dass man als Schwimmer nur in der absoluten Weltspitze richtig Geld verdienen kann.

Konrektor in Burladingen

„Bis heute aber hat mir der Leistungssport gelehrt, dass man was leisten muss, um was erreichen zu können“, betont der neue Rektor der Längenfeldschule. Nach seinem Studium in Weingarten wechselte Simmendinger im Jahr 1999 als Referendar und später Lehrer an die Friedrich-List-Realschule in die Blumenstadt Mössingen und arbeitete dort bereits früh in der Schulleitung mit. „Schon damals bin ich in die Planungen mit einbezogen worden“, erinnert sich Simmendinger, der sich dann im Jahr 2012 auf die Stelle als Konrektor der Realschule Burladingen beworben hat. „Dort hat sich dann ein Schulverbund gegründet und irgendwann habe ich mich an der Schule einfach nicht mehr wohlgefühlt“, sagt Simmendinger, der dann überlegte, sich an einer Reutlinger Schule als Konrektor zu bewerben. „Ein ehemaliger Kollege hat mich auf die freie Konrektorenstelle in Ehingen aufmerksam gemacht“, so Simmendinger, der dann im Jahr 2018 Gemeinschaftsschulkonrektor der Längenfeldschule wurde. „Dieser Wechsel war wichtig für mich. Schon das erste Schuljahr in Ehingen verlief absolut positiv für mich und ich bin so dankbar, dass ich mit Max Weber einen Schulleiter erleben durfte, der mir den letzten Schliff verpasste. Weber war als Schulleiter ein sehr erfahrener Mann, bei dem ich viel lernen durfte“, lobt Simmendinger seinen Vorgänger im Amt, der ihn dann auch bei der Bewerbung auf die Rektorenstelle unterstütze.

Dem Gemeinderat vorgestellt

Im Februar dieses Jahres hat sich Simmendinger dem Ehinger Gemeinderat vorgestellt. „Ich hätte natürlich gerne ein normales Schuljahr zu Ende gebracht, aber es kam bekanntlich anders“, so der Rektor, der quasi Mitten in der Corona-Krise seine Amtsurkunde bekommen hat.

„Wir haben die vergangenen Wochen gut gemeistert. Die Kollegen haben alle einen super Job gemacht, wir sind froh, dass wir schon vor der Krise eine digitale Lernplattform hatten. So waren wir auf das Homeschooling gut vorbereitet“, sagt Simmendinger, der sich darauf freut, dass nach den Ferien in der Grundschule die Klassen eins und drei sowie zwei und vier im wöchentlichen Wechsel wieder kommen. Gleiches gilt für die Klassen fünf und sechs sowie sieben und acht, während die Klassen vier sowie neun und zehn durchgehend wieder da sind. „Im Prinzip ist nach den Ferien immer die halbe Schule anwesend.“

Insgesamt sind an der Längenfeldschule rund 540 Schüler sowie 45 Lehrkräfte. „Wir sind gut aufgestellt und hoffen, dass wir nach den Sommerferien mit drei ersten Klassen starten können“, sagt der Rektor, der sich wie viele allerdings um das „wie“ Gedanken macht. „Wie die Einschulung sein wird, ist momentan komplett offen. Da warten wir auf Anweisungen vom Ministerium“, so Simmendinger, der natürlich auf einen Regelbetrieb nach den Sommerferien hofft und über sich als Lehrer sagt: „ Man muss Mensch sein und eine klare Linie haben. Ich bin ein Lehrer, der auch gerne mal einen lockeren Spruch macht und Spaß hat, aber auch deutlich macht, dass es im richtigen Moment eben gilt. Egal ob FC Bayern oder die Klasse sieben, man muss die Schüler bei Laune halten. Als Lehrer muss man auch Showmaster sein.“

Viel Sport

Simmendinger treibt heute noch viel Sport. „Meine andere Leidenschaft ist die Modelleisenbahn, die meinen kompletten Keller einnimmt“, betont der Vater zweier Söhne (Paul, elf Jahre und Jan, 14 Jahre), der weiterhin in Burladingen wohnt und täglich 45 Minuten nach Ehingen pendelt. „Auf der Fahrt kommen mir immer gute Ideen und ich kann auch ein bisschen abschalten“, so der neue Rektor der Längenfeldschule, der sagt: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist toll. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich in Ehingen angekommen bin.“

(Tobias Götz, Schwäbische Zeitung, 09.06.2020)