29.01.2018 | Klarheit bei diffusen Berufswünschen

Ältere und Jüngere mit Vertretern der Stadt Ehingen auf dem Gruppenbild zum zehnjährigen Bestehen von „Alt hilft Jung“.
© Foto: Christina Kirsch

Eltern kennen das: Ihre Kinder streben nach Traumberufen, die mit ihren Noten oder Fähigkeiten wenig zu tun haben. Und Eltern oder Lehrer sind dabei diejenigen, auf die die Kinder am wenigsten hören. Oft mangelt es bei Schülern und Eltern an einer realistischen Einschätzung der beruflichen Möglichkeiten und an fachlicher Kenntnis, was nötig ist.

Hier springt das Projekt „Alt hilft Jung“ ein, das unter dem Dach der Lokalen Agenda den Schülern beim Berufseinstieg unter die Arme greift. Seit zehn Jahren gibt es diese ehrenamtliche Beratung von Senioren, die in ihrem Berufsleben meist führende Positionen inne hatten. Gestern ist dieser kleine Geburtstag im Bürgerhaus Oberschaffnei gebührend gefeiert worden.

Erst in Ulm geschult

„Wenn es diese Einrichtung nicht gäbe, dann müsste man sie erfinden, so gut sind Sie“, lobte Oberbürgermeister Alexander Baumann das Dutzend Engagierter. Entstanden ist das Projekt aus der Ulmer Initiative „JAZz – Jung und Alt gleich Zukunft zusammen“, deren Ulmer Initiatorin Magdalena Juchem beim Festakt ebenfalls anwesend war. Im Juni 2007 hatten sich die Ehinger in Ulm schulen lassen und begannen im September des selben Jahres mit ihrem Projekt. Dr. Jörg Abigt gab einen kleinen fotografischen Einblick in die Projekte, in denen Berufe analysiert und Fähigkeiten benannt werden. „Dabei sind die Schüler sehr kritisch mit sich selber und wir achten auch auf die gegenseitige Wertschätzung“, sagte Abigt. Der Erfolg der Gruppe lasse sich schlecht in Zahlen messen, bedauerte Alexander Baumann, aber man spüre, wie die Senioren zu den Jugendlichen Brücken bauen. „Sie vermitteln auch Werte“, sagte er. „Aber wir bekommen auch etwas zurück“, betonte Jörg Abigt. Darauf lässt auch die Tatsache schließen, dass von den zwölf Mitgliedern sieben Senioren von Anfang an dabei sind und auch weitermachen wollen. Rund 100 Seminare haben die Mitglieder bisher gehalten, 1000 Schüler haben davon profitiert.

Die Gruppe wird von der Ehingerin Jutta Wassermann zusammengehalten, bei der sich die Schulleiter Max Weber und Dagmar Fuhr für das Engagement bedankten. In ihrer augenzwinkernden Rede zog Jutta Wassermann Parallelen zwischen rostigem Alteisen und glänzendem Antiksilber. Das Alteisen dürfe ruhig hinter dem Ofen hocken, aber das Altsilber werde noch gebraucht, meinte sie. Man müsse es nur gelegentlich polieren und ab zu auf Vordermann bringen, dann zeige sich das Altsilber von seiner besten Seite. „Kantig, solide, robust, belastbar und charmant“ sei man und das Publikum amüsierte sich über den Vergleich zwischen Silber und lebenden Personen.

Durchziehen ist andere Sache

Max Weber betonte, es sei „eine tolle Sache, ein Programm zu starten“. Es dann aber auch tatsächlich durchzuziehen sei eine ganz andere Sache. Schüler hätten oft diffuse Vorstellungen von ihrer Berufswahl. Die Gruppe „Alt hilft Jung“ bringe Konturen in den Berufsfindungsprozess.

Die Anwesenheit der Schulleiter bei der Feier wertete Ursula von Helldorff als Moderatorin des Arbeitskreises Soziales der Lokalen Agenda als Wertschätzung für das Projekt. Jutta Wassermann halte die Gruppe „freundlich, aber strukturiert“ zusammen, lobte sie. Von den neuen Räumen im Bürgerhaus profitierten Schüler und Ehrenamtliche, weil man von Anfang an darauf drängte, die Workshops außerhalb der Schule anzubieten.

Zur Feierstunde gestern haben sich auch die Schüler mächtig ins Zeug gelegt. Die Tänzer und die Rockband der Michel-Buck-Schule begeisterten ebenso wie eine Gruppe Rapper, die einen speziellen Song zur Berufswahl einstudierte hatte.

(Südwest Presse Ehingen, 27.1.2018)