25.05.2019 | 96 Kinder werden besonders gefördert

Sorgfältig malen sechs Grundschüler in der Längenfeldschule ihre Holzschnitte an. Dunkles Rot in der Mitte und Lila weiter außen. Wer fertig ist, schaut sich noch einmal das Muster von Lehrer Matthias Sydow an, damit auch Wanderwege und die Seilbahn an der richtigen Stelle platziert werden.

Was hier nachmittags in vielen Stunden entsteht, ist ein Modell der Zugspitze. Alle sind freiwillig hier. Ein Mädchen wird Woche für Woche von ihren Eltern vom Heimatort Dornstadt aus in die Längenfeldschule gefahren, um an dem Kurs teilzunehmen.

Die sechs Dritt-und Viertklässler sind Teil der Hector-Kinderakademie, die seit Oktober 2010 besonders begabte Kinder – vom Kindergartenalter bis zum Ende der Grundschule – fördert. Alle Kindergärten und Grundschulen in ganz Baden-Württemberg können maximal zehn Prozent der Kinder eines Jahrgangs für die Akademie vorschlagen, erklärt der Schulleiter der Längenfeldschule, Max Weber. Und er betont: „Vorgeschlagen werden die Kinder von den Lehrern und nicht von den Eltern.“

"Die Kinder zeigen ihre Zertifikate am Ende eines Kurses immer ganz stolz vor" (Jörg Eisele)

Von 65 Grundschulen in der Region machen das etwa 60 ganz regelmäßig, ergänzt Weber. 96 Kinder werden so aktuell besonders gefördert. Einige kommen auch aus Ehingen und besuchen Kurse an den verschiedenen Schulstandorten.

700 Schüler seit 2010

Seit 2010 sind es schon rund 700, die durch die Kurse ihr Wissen auf bestimmten Gebieten vertiefen konnten. Wer einmal an den Kursen teilgenommen hat, bleibt meist über die gesamte Grundschulzeit in der Akademie und nimmt an ganz unterschiedlichen Kursen teil. „Die Kinder zeigen ihre Zertifikate am Ende eines Kurses immer ganz stolz vor“, sagt Jörg Eisele, der selbst einen der Kurse an der Längenfeldschule leitet.

An fünf Standorten im Alb-Donau-Kreis – Langenau, Herrlingen, Laichingen, Dietenheim und Ehingen – finden die Kurse für die Kinder statt. Rund 80 Prozent dieser Kurse vermitteln Inhalte aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Doch aktuell gibt es auch einen Kurs, der sich mit Comics beschäftigt. Für die Kurse, die nicht nur von Lehrern, sondern beispielsweise auch von Rentnern oder Uni-Professoren geleitet werden können, werden die teilnehmenden Schulen finanziell gut ausgestattet. 60.000 Euro stehen im Alb-Donau-Kreis zur Verfügung. In der Längenfeldschule wurden für einen Kurs unter anderem spezielle Lego Baukästen angeschafft, mit denen Roboter gebaut werden können. Die nutzen nicht nur die Kinder der Hector-Kinderakademie, sondern auch die Schüler der Gemeinschaftsschule im Unterricht.

Die Kursthemen ergeben sich durch die Referenten. Matthias Sydow beispielsweise studiert aktuell neben seiner Lehrtätigkeit im Längenfeld noch Geografie und kam so auf die Idee, das Modell der Zugspitze zu bauen. „Die Kinder machen super mit“, sagt er und präsentiert, was die Sechs schon alles gelernt haben. Sie alle können sofort erklären, dass die schmalen Schichten des Modells auf einen steileren Teil des Berges hinweisen und man über die breiteren Schichten bequem hinaufwandern könnte. Neben dem Holzschnitt haben die Kinder noch ein weiteres Modell des Berges mit Hilfe eines 3-D-Druckers erstellt.

Verlängerung gesichert

„Die Kinder wählen mit ihren Eltern pro Semester drei Kurse aus. Für einen werden sie genommen“, erklärt Max Weber das Procedere. Sind Kurse sehr beliebt und die Teilnehmerzahl begrenzt, wird gelost. Eigentlich, so Weber, wäre die Förderung durch die Akademie dieses Jahr ausgelaufen. „Aber die Verlängerung ist gesichert“, sagt er, denn die Akzeptanz sei ungebrochen hoch.

(Schwäbische Zeitung, 25.05.2019)