16.07.2019 | Ehinger Schulleiter geht nach 42 Dienstjahren in den Ruhestand


„Man muss immer die Schule als Ganzes im Blick haben“, sagt Max Weber. (Foto: SZ- dtp)

„Irgendwann kommt der Tag“, blickt Max Weber, Schulleiter an der Längenfeldschule, voraus. Seit 28 Jahren bereits hat er dieses Amt inne, bald – am 19. Juni – wird er offiziell verabschiedet. „Ich bin sehr glücklich und zufrieden“, betont der 64-Jährige. „Weil ich auf ein erfülltes Berufsleben zurückblicken kann und weil ich nach knapp 42 Dienstjahren gesund in den Ruhestand gehen kann.“

Hält man sich Webers Lebenslauf vor Augen, kann man kaum fassen, wie er all das geschafft hat: eine Schule zu leiten mit derzeit 550 Schülern und 18 Jahre lang als geschäftsführender Schulleiter in Ehingen die hiesigen Schulen zu vertreten.

Nebenbei war er für eine Teilperiode im Ehinger Gemeinderat, acht Jahre Hauptschöffe am Landgericht Ulm, führte in Seminaren neu bestellte Schulleiter im Land an ihre neue Aufgabe heran und war 25 Jahre lang Lehrbeauftragter für Schulrecht am Seminar Laupheim.

60-Stunden-Wochen waren keine Seltenheit

Viele Felder gilt es bereits als Schulleiter zu bearbeiten. „In vielen Wochen habe ich 50, 60 Stunden gearbeitet“, sagt Weber, „klar kommt man da an Grenzen.“ Doch dass er seit 30 Jahren direkt neben der Schule wohnt, sei „wunderbar“.

Und vielleicht sind seine Leidenschaft für die Natur und das frühe Aufstehen und auch ein gewisser Tagesrhythmus sein Geheimnis. „Ich habe gelernt, möglichst wenig mit nach Hause zu nehmen“, erklärt er, „und ich bin fast täglich in der Natur unterwegs, auch mit meiner Frau, um bewusst einen Ausgleich zu suchen.“

40 Jahre lang hat er sich zudem jeden Freitag beim Lehrerfußball verausgabt. Dass er seine Aufgabe gerne ausfüllt, ist natürlich auch von Vorteil: „Wenn man etwas gerne macht und mit großer Freude, ist das eine gute Voraussetzung fürs Gesundbleiben“, erklärt er. „Wichtig ist auch, dass es Schritt für Schritt weitergeht und die Wertschätzung von außen da ist. Dann trägt es Sie.“

Der Wunsch, Lehrer zu werden, kam erst nach seinem Abiturabschluss in Riedlingen und im Verlaufe seines Wehrdienstes auf. Sein Studium in den Fächern Mathematik und Sport absolvierte er an der PH Weingarten. Sein Referendariat führte ihn dann in das für ihn bis dahin unbekannte Ehingen, an die Michel-Buck-Schule. Hier war er auch von 1979 bis 1985 Klassenlehrer. Danach war er sechs Jahre lang hauptamtlich in der Lehrerausbildung als Seminarschulrat tätig.

Der deutlichste Einschnitt war die neue Schulart Gemeinschaftsschule, die ein völlig neues Lernkonzept und neue Chancen bot
Max Weber, Schulleiter an der Längenfeldschule

Im August 1991 ging es dann als Schulleiter an die Längenfeldschule. Hier musste schon bald der Wechsel von der Grund- und Hauptschule zur Werkrealschule vollzogen werden. „Ich habe sie eingeführt, mit mir läuft sie aus“, sagt Weber, nämlich ebenfalls genau mit diesem Schuljahr. „Der deutlichste Einschnitt war die neue Schulart Gemeinschaftsschule, die ein völlig neues Lernkonzept und neue Chancen bot“, erklärt der 64-Jährige. Fast gleichzeitig hat sich die Ganztagsschule etabliert und im Jahr 2011 konnte das neue Mensagebäude eingeweiht werden.

„Das Bildungswesen steht nie still, es geht immer weiter“, blickt der Schulleiter zurück und fügt an: „Was auffällt: dass die Abschnitte kürzer werden. Es wäre gut, wenn man die Schulen mehr durchschnaufen ließe.“

Als Schulleiter müsse man immer die Schule als Ganzes im Blick haben, betont Weber, müsse verwalten, gestalten und formen. Wichtig ist es ihm auch zu betonen, dass man als Leiter einer Schule nicht einfach mit der wehenden Fahne vorauseilen dürfe. „Man muss alle Beteiligten mitnehmen“, erklärt er. „Und man ist auf ein sehr engagiertes, fleißiges, intensiv arbeitendes Kollegium angewiesen.“

Wichtig war es ihm immer, seinen Kollegen neue Aufgaben zuzutrauen, sie zu motivieren – derzeit sind es 51. „Und auch die Vernetzung nach außen war mir ein wichtiges Anliegen.“

Die Gesellschaft bildet sich in der Schule ab
Max Weber, Schulleiter an der Längenfeldschule

Ein Beispiel hierfür sind die fünf Bildungspartner der Schule. Und der Kontakt zu den Schülern ist Weber natürlich wichtig: 40 Jahre lang hat er Mathematik unterrichtet. Das Faible für die Lehrerausbildung ist ihm ebenfalls nicht abhanden gekommen: „Ich hatte viele Referendare hier in der Zeit“, sagt er. Die Zusammenarbeit mit den angehenden Lehrern mache ihm bis zum heutigen Tag Spaß.

Wichtig sind Weber zudem Fragen der Begegnungskultur: Wie gehen wir miteinander um? „Die Gesellschaft bildet sich in der Schule ab“, sagt er. Vor diesem Hintergrund sieht er alle Schulen weiterhin gefordert, und das nicht nur beim Thema Cybermobbing.

Ehemalige Schüler sind 53 Jahre alt

Mehr als 40 Dienstjahre, 28 Jahre als Schulleiter haben zur Folge, dass manche Schüler, die er unterrichtet hat, bereits 53 Jahre alt sind. „Ich habe sogar eine Handvoll Enkel ehemaliger Schüler hier an der Schule“, erzählt er.

Nach seinem Abschied möchte der 64-Jährige die freie Zeit genießen, auch mal weiter weg verreisen und noch mehr die Nähe zur Natur suchen. „Ich kann mir auch vorstellen, wieder ins Ehrenamt zurückzukehren.“

(Schwäbische Zeitung, 16.07.2019, Dominik Prandl)