21.07.2019 | Zum Abschied eine „Einsplus“: Schulleiter der Längenfeldschule nach fast 30 Jahren verabschiedet


Schulamtsdirektorin Anna Sproll überreicht Max Weber seine Urkunde zum Abschied. (Foto: SZ- meni)

Die Längenfeldschule hat ihren Kapitän verloren: Der Grundschulchor hat am Freitagvormittag schon im Begrüßungslied vorweggenommen, was fast alle Redner im Anschluss in ihren Grußworten aufnahmen.

Nach fast 30 Jahren als Schulleiter der Längenfeldschule und 18 Jahren Tätigkeit als geschäftsführender Schulleiter in Ehingen ist Max Weber nun in den Ruhestand verabschiedet worden. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Kommissarisch übernimmt Konrektor Udo Simmendinger die Aufgaben, bis das staatliche Schulamt einen Nachfolger bekanntgibt.

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Sie waren das Beste, was dem Schulstandort Ehingen passieren konnte. Eine Einsplus für Ihre Tätigkeit
Oberbürgermeister Alexander Baumann

„Diese Feier hat etwas Unwirkliches, weil jemand verabschiedet wird, der eine Generation lang Rektor an dieser Schule war“, fasste Oberbürgermeister Alexander Baumann zusammen, was sich alle Gäste der Feier am Freitagvormittag dachten, und ergänzte: „Sie waren das Beste, was dem Schulstandort Ehingen passieren konnte. Eine Einsplus für Ihre Tätigkeit.“

Gar von einer Ära, die nun zu Ende geht, sprach Schulamtsdirektorin Anna Sproll. Schließlich sei Max Weber nicht nur ein hervorragender Netzwerker (Stichwort Schulpartnerschaften nicht nur mit der Firma Tries) gewesen, der enormen Fleiß an den Tag legte und breite Erfahrung und hohe Kompetenz mitbrachte, sondern eben auch ein Schulleiter, der nie stillgestanden habe und immer geschaut habe, wie eine gute Weiterentwicklung aussehen konnte.


Heimlich hatte der Lehrerchor in den vergangenen Wochen immer wieder für den Auftritt bei der Verabschiedung geprobt. (Foto: SZ- meni)

Dabei sah 1978, als an einem dunklen Januarmorgen Max Weber das erste Mal nach Ehingen fuhr, wie er erzählte, nichts danach aus, als würde er 40 Jahre später in einer großen Zeremonie an einer Ehinger Schule verabschiedet werden.

Mein erster Gedanke damals war: Hier wirst du nicht alt
Max Weber

Denn damals, so seine Anekdote, sei sein erster Eindruck von Ehingen ein großer Industriekomplex an der Bundesstraße von Biberach nach Ehingen gewesen, dessen Geruch ihn abschreckte. „Mein erster Gedanke damals war: Hier wirst du nicht alt.“

Nun, nach 40 Jahren in Ehingen, sei der Ruhestand für ihn nach wie vor nicht real. Und auch für seine Kollegen noch nicht, denn noch sitze der Chef in allen Notenkonferenzen und plane auch fleißig mit fürs neue Schuljahr, gab Judith Mößle einen kleinen Einblick in das Geschehen an der Längenfeldschule in den vergangenen Wochen. „Das zeigt, dass es ihm wichtig ist, wie es mit der Schule weitergeht.“

Und auch deswegen ist es für Max Weber unbefriedigend, dass es noch keinen offiziellen Nachfolger für die Stelle als Schulleiter gibt. Kommissarisch wird vorerst Udo Simmendinger, der aktuelle Konrektor, die Aufgaben übernehmen, während sein ehemaliger Chef ab September von 1000 Prozent Schule auf null Prozent Schule umschalten muss.

Schule zum Abgewöhnen

Von seinen Kollegen bekam der 64-Jährige deswegen zum Abschied einen Kalender mit Ideen, wie er sich die Schule abgewöhnen und lästige Gewohnheiten loswerden kann. So darf er zwar im September noch mit zum Lehrer-Pilgern mit den alten Kollegen, aber schon im Oktober sollte die Umstellung auf Entspannung gelungen sein, wenn er in der Therme entspannt oder mit Unternehmer Manfred Tries im Wald spazieren geht.

Sollte die Sehnsucht nach der Schule dann ganz groß werden, kann der Fußball-Fan Max Weber sich mit dem Abschiedsgeschenk von Oberbürgermeister Baumann ablenken: Bei einem Spiel des FC Bayern in der Allianz Arena. Und danach könne sich Max Weber ja Gedanken über ein ehrenamtliches Engagement machen. Da könne er sich gerne an ihn wenden, sagte Baumann zum Abschied.

(Schwäbische Zeitung, 19.07.2019, Nina Lockenvitz)