09.01.2020 | Schüler beschäftigen sich mit der Zukunft

Zwei junge Dozenten machen den Längenfeldschülern Lust auf Technik

Michael Müller (r.) erklärte den Schülern, was er alles mitgebracht hat.

Wie könnte die Architektur von morgen aussehen? Wie werden wir uns in Zukunft fortbewegen? Und wie gelingt es uns am besten, mit Robotern zusammenzuarbeiten? Diese und weitere Fragen haben zwei Dozenten des Programms „Coaching 4 Future“ am Mittwoch zusammen mit Schülern der Lerngruppen 8.1 und 8.2 der Längenfeldschule aufgeworfen. Die Schüler erfuhren hautnah, dass naturwissenschaftliche und technische Berufe keineswegs langweilig sind, sondern dass sich auch Naturwissenschaften intensiv mit dem Menschen und seiner Lebenswelt auseinandersetzen.

Besonders interessierte sich die Lerngruppe 8.2 für die Themen Maschinen und Roboter sowie Medizintechnik. Die Ehinger Schüler erfuhren, dass Laufprothesen für Sportler vom Gepard abgeguckt sind. Bei der Entwicklung habe sich viel getan, erklärte der studierte Geograph Michael Müller. Alte Prothesen seien einfach am Bein festgeschnürt worden. „Das ist eher unangenehm für den Träger.“ Für vieles, das er und die studierte Molekalurbiologin Jasmin Friedrich ansprachen, hatten sie auch Anschauungsmaterial zum Anfassen dabei.

Deutlich wurde: Auch Naturwissenschaftler setzen sich mit den Alltagsproblemen der Menschen auseinander und möchten helfen. So zum Beispiel durch einen Chip auf der Netzhaut, der es Blinden ermöglicht, wieder zu sehen, wenn auch ein wenig verpixelt, wie die Schüler erfuhren. „Die Uni Tübingen hat den Chip mitentwickelt“, erklärte Michael Müller.

Beim Thema Maschinen interessierten sich die Längenfeldschüler besonders für das Thema 3-D-Drucker. Zwei davon gebe es bereits an ihrer Schule, erzählten sie. Dass das Druckverfahren ziemlich lange dauert, erklärte ihnen Jasmin Friedrich. Doch es gebe auch Verfahren, die wesentlich schneller seien. Dabei wird das Objekt aus flüssigem Kunstharz gezogen.

Auch mit Logistikrobotern bei Amazon setze sich die Lerngruppe auseinander. Hier gebe es ebenfalls ein Vorbild in der Natur, erklärte Michael Müller, nämlich Ameisen. „Sie wollen immer den kürzesten Weg zur Futterquelle finden“, sagte er. Auf ihren Laufwegen würden sie Duftspuren hinterlassen. Derjenige Weg, der am Ende die stärksten Duftspuren aufweist, sei der kürzeste Weg, dem die Ameisen dann folgen. Genauso sei es bei den Logistikrobotern, nur dass sie keine Duft- sondern digitale Spuren hinterlassen.

„Coaching 4 Future“ ist ein Angebot der Baden-Württemberg-Stiftung, Südwestmetall und der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Viele Dinge konnten die Schüler selbst ertasten und anfassen. Zum Beispiel eine VR-Brille, ein Block aus Leichtaluminium oder ein Schulterprotektor aus intelligenter Knete. Besonders begeistert waren die Schüler von einem Versuch mit einem besonderen Pulver. Kaum wurde es auf Wasser gegeben, war nichts mehr flüssig, alles aufgesaugt. Kein Wunder, denn es handelte sich laut Jasmin Friedrich um Superabsorber, die in Windeln zum Einsatz kommen.

Der Großteil der Lerngruppe möchte nach der Schule eine Ausbildung machen, erfuhren die Coaches. Ein verbreiteter Berufswunsch ist Erzieherin, doch die Schüler nannten auch Berufe, für die Mathematik und Technik wichtig sind: Bankkauffrau zum Beispiel oder Konstruktionsmechaniker. Die beiden Dozenten nannten den Schülern weitere Ausbildungsberufe und erklärten, was es mit ihnen auf sich hat.

Joshua aus der Lerngruppe 8.2 war am Ende von der Medizintechnik am meisten fasziniert. Doch für seine Zukunft hat er schon einen anderen Zweig ins Auge gefasst, der ebenfalls zu den MINT-Fächern zählt, für die die Coaches werben: Joshua möchte „irgendwas mit Informatik machen“, sagt er. Bereits jetzt beschäftige er sich damit zu Hause. „Es macht mir einfach Spaß zu programmieren.“ Drei Spiele habe er sogar schon programmiert. In Zukunft würde er das gerne als Beruf machen.

Udo Simmendinger / Schwäbische Zeitung 09.01.2020