08.07.2009 | Mit Pferden zur Ruhe - Längenfeldschule intensiviert Arbeit mit Tieren

Die Schüler werden ruhiger durch den Umgang mit Pferden. Foto: C. Kirsch

Griesingen: "Wir holen das Pferd von der Koppel, halftern auf und putzen es", erzählt Adrian (alle Namen geändert). "Mit dem Hufding kratzen wir die Hufe aus", erklärt sein Mitschüler. Zum Schluss dürfen alle mal reiten. Tiere haben eine therapeutische Wirkung auf Menschen. Vier Schüler der Längenfeldschule haben an einer heilpädagogischen Therapie teilgenommen, die mit der Reitpädagogin Michaela Haug in Griesingen stattfand.

Bei der Vorstellung "ihrer" Pferde hatten es die Jungs auf dem Hof von Michaela Haug gestern wichtig. Sie stellten die Pferde vor und erzählten mit Empathie deren Lebensgeschichte. "Der war in einem Zirkus und dem seine Beine wachsen jetzt nicht mehr", meint ein Junge. "Und der lässt sich nicht gerne fotografieren", weiß ein anderer.

Die Kinder schildern die Eigenheiten der sechs Therapiepferde und machen sich an die Putzarbeit. Ein ganzes Schuljahr konnten die Jungs bei der Reitpädagogin Michaela Haug jeweils eine Stunde mit den Tieren verbringen. "Das Ziel war, sie teamfähiger und konzentrierter zu machen", sagt die Griesingerin, die mit einem halben Lehrauftrag vom nächsten Jahr an wieder in den Schuldienst einsteigt - an der Längenfeldschule. Denn die Kinder zeigten sich im Unterricht oft unkonzentriert und aufbrausend. Der Umgang mit den Pferden diene der Impulskontrolle, sagt Michaela Haug, und fördere das Selbstwertgefühl. Die Jungs müssen Aufgaben übernehmen und den Pferden klare Kommandos geben. Wenn das Pferd dann sein Bein nicht zum Hufeauskratzen hebt, sollen die Jungs lernen, nicht gleich aufzugeben und trotzdem "dran" zu bleiben.

Klassenlehrerin Klärle Dorner stellt nach dem Jahr durchaus Erfolge fest. Die Jungs zeigten keine so großen emotionalen Schwankungen mehr, meint sie. "Sie können sich nun besser kontrollieren." Auch die Eltern stellen fest, dass ihre Kinder lernten, "eine Sache fertig zu machen", meint eine Mutter.

Finanziert wurde das Projekt über den Förderverein und AG-Stunden. Die Arbeit mit den Tieren soll an der Längenfeldschule nach Möglichkeit fortgeführt werden. kir
(Südwest Presse, 08.07.2009)